Medienentwicklungsplan Teil 1: Schritt für Schritt zur richtigen Strategie

Hardware, Didaktik und Kompetenzausbau – das sind drei Säulen der Digitalisierung der Schulen. Fehlt eine dieser Säulen, kann der Einstieg in den „Digital Classroom“ langfristig nicht gelingen. Ein fundiertes Konzept muss her. Medienentwicklung muss als Teil der Schulentwicklung verstanden werden. Ein Medienentwicklungsplan hilft bei der organisatorischen, technischen und pädagogischen Planung. Mit ihm kreieren Schulen ihre individuelle Erfolgsstrategie.

Digitale Technologien machen Lehren und Lernen interessanter, kreativer, anregender und effektiver. Das gelingt aber nur, wenn die digitale Lebenswirklichkeit junger Menschen auch in den Schulen abgebildet wird . Medienerziehung gehört hier zu den zentralen Themen und Aufgaben. Mit dem „Digital Classroom“ müssen Schulen endlich den Vorbildern aus der Wirtschaft folgen und digitale Kompetenzen erwerben – für ihre Selbstbestimmung, für den Arbeitsmarkt und letztlich für Gesellschaft, Demokratie und Wohlstand . Dazu braucht es nicht nur schnelles Internet und moderne Hardware, sondern auch maßgeschneiderte pädagogische Konzepte.

Der „DigitalPakt Schule“ fordert einen Plan

Mit dem „DigitalPakt Schule“ hat sich die Bundesregierung verpflichtet, in die digitale Bildungslandschaft zu investieren. Dafür stehen insgesamt rund fünf Milliarden Euro zur Verfügung . Entsprechende Fördergelder beantragen Schulen über die jeweiligen Schulträger, wie Kommunen oder freie Träger, beim Land. Damit die Investitionen nachhaltig wirken, ist die Erstellung eines Medienentwicklungsplans (MEP) Pflicht. Aus gutem Grund: Erst in acht Prozent der Einrichtungen wird das Thema Digitalisierung strategisch angegangen.

Der Medienentwicklungsplan

In einem Medienentwicklungsplan geht es um die vorhandene und geplante IT-Ausstattung inklusive Hardware, Implementierung, Betrieb und Wartung sowie auf ein Konzept zur erforderlichen Weiterbildung der Lehrkräfte . Darin sollen die pädagogisch-didaktischen Nutzungsmöglichkeiten der erforderlichen Vernetzungs- und Ausstattungsszenarien beschrieben werden . Auch ein Finanzierungs- und Zeitplan gehört dazu.

Schritt 1: Das Medienbildungskonzept

In einem ersten Schritt gilt es zu verstehen, was Medien konkret für den Unterricht leisten sollen und können. Dabei wird der Status Quo des bisherigen Medieneinsatzes sowie der Schüler- und Personalstruktur mit dem angestrebten Soll-Zustand abgeglichen. Dazu dienen etwa Unterrichtsbeobachtungen und Befragungen. Welche Maßnahmen sind nötig? Um nachher den Erfolg dieser Maßnahmen zu messen, müssen geeignete Kennzahlen bestimmt werden – etwa die Leistung der Schüler, die aktive Mitarbeit im Unterricht oder die Zufriedenheit mit dem pädagogischen Konzept. Bei der Erstellung des Medienbildungskonzepts sind sowohl Schul- und Fachbereichsleiter, aber auch die Lehrkräfte beteiligt, die nachher das Konzept mit Leben füllen. Finanzielle Rahmenbedingungen sollten mit dem Schulträger abgestimmt werden.

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Ausgewählte Leitfragen

  • Erfüllt die verfügbare Hard- und Software den Anforderungen des Unterrichts?
  • Wie und in welchen Fächern sollen neue Medien eingesetzt werden?
  • Wie sollen die Medien für die Medienerziehung und die aktive Medienarbeit eingesetzt werden?

Schritt 2: Das Ausstattungskonzept

Nachdem die Ziele klar sind, geht es um die benötigte technische Ausstattung. Welche Medien sind bereits vorhanden und welche sind nötig, damit der Unterricht langfristig noch besser wird? Dabei müssen die Kosten und Zuständigkeiten für die Anschaffung, Implementierung, Wartung und den Service mit bedacht werden. Neben der Planung der notwendigen Hardware ist es auch wichtig, sich Gedanken über die spezifische Software für einzelne Fachbereiche zu machen. So benötigen künstlerische Fächer Bild- oder Videobearbeitungsprogramme, während Naturwissenschaften von Simulationsprogrammen profitieren.

Die Verantwortlichkeiten liegen bei den Schul- und Fachbereichsleitern sowie IT-Beauftragten, die in Zusammenarbeit mit den Schulträgern ein Vernetzungs- und Betriebskonzept aufstellen.

Ausgewählte Leitfragen

  • Gibt es einen zentralen Internetzugang?
  • Wie ist der laufende Betrieb (Wartung, Betreuung, Support) organisiert?
  • Welche Räume sollen vernetzt werden?
  • Welche Peripheriegeräte (Drucker, Scanner, Beamer, Kameras) werden benötigt?
  • Wer macht den Vor-Ort-Support? Sollen externe Dienstleister eingebunden werden?

Schritt 3: Das Fortbildungskonzept

Auch die beste Technik läuft ins Leere, wenn niemand mit ihr umgehen kann. Noch ist mangelnde Weiterbildung der größter Hemmer für die Digitalisierung im Klassenzimmer. Damit der Effekt der Digitalisierung nicht verpufft, sollten Schulen bereits bei der Beantragung von Fördergeldern starken Fokus auf Medienkompetenztrainings legen. Es gilt darzulegen, wie der Wissenszuwachs der Lehrkräfte sichergestellt und im besten Falle auch belegt wird.

Die Verantwortlichkeiten hierfür liegen bei Schul- und IT-Leitern in Zusammenarbeit mit Qualifizierungs- oder IT-Anbietern. Die Herausforderung dabei: Genau diejenigen Weiterbildungsangebote finden, die zu den Eigenschaften der gekauften Hardware sowie zum pädagogischen Konzept passen. Dabei ist wichtig, dass Einkauf, Installation und Weiterbildung möglichst parallel stattfinden, damit der „Digial Classroom“ unmittelbar umgesetzt wird.

Ausgewählte Leitfragen

  • Welche Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen sind für die Mitwirkenden (Schüler, Lehrkräfte, Berater) erforderlich?
  • Wie kann die Information dieser Zielgruppe sichergestellt werden?
  • Sind weitere Unterstützungsmaßnahmen erforderlich?

Merkmale eines gelungenen MEP

Das Kultusministerium hat inhaltliche und formale Anforderungen an einen guten MEP veröffentlicht, die eine Grundlage für die Beantragung von Fördergeldern aus dem „Digitalpakt Schule“ darstellen:

Inhaltliche Kriterien:

  • Der MEP beinhaltet eine Bestandsaufnahme (technische Ausstattung, und Analyse schulinterner Prozesse) sowie ein Ausstattungsszenario
  • Er beinhaltet konkrete Ziele für die Unterrichtsentwicklung unter Nutzung digitaler Medien
  • Er beinhaltet einen Maßnahmenkatalog und Umsetzungszeitplan sowie Evaluationsmaßnahmen

Formale Kriterien:

  • Die Technik muss dazu dienen, Medienbildung sinnvoll in den Unterricht zu integrieren (Primat der Pädagogik)
  • Verschiedene Facetten der Schulentwicklung (Auswirkungen auf den Unterricht, Lehrkräftefortbildung, technische Entwicklung usw.) werden mitgedacht
  • Ziele, Maßnahmen und Umsetzung werden verbindlich und überprüfbar festgehalten
  • Unterrichtliche Erfordernisse und finanzielle Möglichkeiten müssen überzeugend zusammengebracht werden

Weitere Kriterien sind beispielsweise die Beachtung neuer Bildungspläne, die grundsätzliche Flexibilität für künftige Entwicklungen sowie eine verständliche, nicht-technische Formulierung .

Die wichtigsten Vorteile des MEP

  • Er verbindet pädagogisches, technisches und organisatorisches Konzept
  • Er hilft bei der Umsetzung neuer Bildungspläne, die Medienentwicklung als Teil der Schulentwicklung verstehen
  • Er regt die Zusammenarbeit zwischen Kollegium, Schulleitung und Schulträger an
  • Er sichert den Wert von Vernetzung und Ausstattung der Schule und minimiert Risiken

Ein praktisches Beispiel

Die Grundschule Fahrnau sieht es als Aufgabe, ihre Schüler auf die „Anforderungen der modernen Gesellschaft und ihr Leben vorzubereiten. Dazu gehört eine Vermittlung der praktischen und sinnvollen Handhabung der Medien, als auch die Entwicklung einer Kritikfähigkeit ihren Risiken gegenüber“ . Die Schule entwickelte dazu ein Raster mit allen Kompetenzen, die die Schüler im Laufe ihrer Grundschulzeit erwerben sollten. Dazu gehört Information und Wissen, Kommunikation und Kooperation, Produktion und Präsentation, Kenntnisse zur Mediengesellschaft und -analyse sowie informationstechnische Grundlagen. Diese theoretischen Kompetenzen wurden dann für jede Klassenstufe mit konkreten, altersgerechten Inhalten gefüllt. So geht es etwa früh darum, Informationen zu finden, über Medienerfahrungen zu sprechen und einen Internetbrowser zu bedienen. In späteren Klassenstufen geht es darum, Informationen zu bewerten, Programme zu erlernen oder den Datenschutz zu reflektieren. Über einen Medienstoffverteilungsplan wurden entsprechende Inhalte dann in den Lehrplan eingearbeitet.

Fazit

Schon Konfuzuis sagt: In allen Dingen hängt der Erfolg von den Vorbereitungen ab. Damit die Digitalisierung auch vor den Schultoren keinen Halt mehr macht, sollten Schulen bereits heute mit der Planung zur sinnvollen Integration neuer Medien in den Unterricht beginnen. Die Herausforderung besteht darin, einen Medienentwicklungsplan zu erstellen, der zu ihren spezifischen Bedürfnissen und Voraussetzungen passt sowie inhaltliche und formale Kriterien erfüllt.
Erfahren Sie hier, wie Canon Schulen bei der Erstellung eines Mediengestaltungsplans unterstützen kann.

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